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Für eine vernünftige Utopie im Kontext des MONSTER-CHAOS ÜBERALL

Die Katastrophe, die sich gerade ereignet, hat mich dazu veranlasst mich auf mich selber zu besinnen und mich zu fragen:

WARUM A.P.C.?

Bereits lange ehe A.P.C. mit der ersten Kollektion „Winter 87“ im Jahr 1986 begann, hatte ich diese Gedanken.

Es war Mitte der 80er Jahre. Frauenjacken hatten große Schulterpolster; sie trugen immer eine Art von absurdem Schal über EINER Schulter. Die Männer trugen zu weite Hosen mit hoher Taille. Nur die - bereits - alten Punks verkörperten noch Eleganz.

Was ich damit sagen möchte, ich war angewidert und entsetzt. Auf dem Höhepunkt der "Palast"-Mode schmierte ich "DEATH TO DISCO" auf die Fassaden der Pariser Halles. Wenn es nach mir gegangen wäre, hätte alles in der Welt, in der ich lebte, überdacht und neu gestaltet werden müssen. Ich konnte nicht mehr atmen. Alles hat mir die Luft geraubt.

(Ein Hinweis für Leser, die von dieser Einstellung schockiert sind: Ich habe die musikalischen Entdeckungen und die Energie der Disco-Musik heimlich verehrt und auch viel gehört, als ich nach New York ging. Zu dieser Zeit verkaufte ich post-psychedelische Rock-Vinyls „per Versand" aus einem kleinen Büro in der Rue Saint Honoré in Paris.

Ich habe sie in Amerika in Hangars mit unverkauften Restposten entdeckt und sie dann über das Lager eines Freundes, der Plattenhändler war, in die Canal Street an der West Side verschickt. 

Die Musik, die für gute Atmosphäre an diesem Arbeitsplatz sorgte, war selbstredend Disco. Sie transportierte mich. Ich befand mich im Zentrum eines Widerspruchs, da ich eine Musik liebte und mich gleichzeitig zwang, sie zu hassen. Ich führte meine Mission fort, weil ich ohne dieses Lagerhaus die Platten der Remains und der 13th Floor Elevators, um nur die am wenigsten Bekanntesten zu nennen, nicht nach Frankreich verschicken konnte.

Was mich in dieser Zeit so niederdrückte, war natürlich nicht, dass die Leute gerne tanzten. Der Grund war, dass es geradezu unanständig war, während eines Abendessens über Politik oder Philosophie zu sprechen. Man musste ständig und überall Spaß haben, auch wenn hinter den Kulissen nichts richtig lief.)

Ich musste aus dieser Perspektivlosigkeit herausfinden, und da Selbstzerstörung und Drogen nie einen Reiz auf mich ausübten, suchte ich nach einem Weg, meine destruktive Energie in etwas Gutes zu verwandeln, und zwar durch die Vermeidung aller Arten von Kompromiss mit den mondänen Gegebenheiten und den Versuchungen der Modewelt.

Ich war nicht der einzige, der dies versuchte, aber zugegebenermaßen waren wir nicht besonders zahlreich.

Also habe ich danach gestrebt, eine Oase ästhetischer Würde zu schaffen und ich habe sie A.P.C. genannt.

Um mich zu finanzieren, entwarf und produzierte ich Kollektionen, die überhaupt nicht meinem Geschmack entsprachen. Es ist ziemlich lustig wenn ich darüber nachdenke: Lastwagen über Lastwagen mit Leggings mit Python-Print haben die Entwicklung meiner Raw Denim Jeans und schmal-schultrigen Anzügen aus Wolle finanziert.

Seitdem hat sich fast nichts verbessert: Zusätzlich zu all den Übeln der 80er Jahre sind die Ozeane jetzt voller Plastikmüll und die globale Erwärmung verursacht Phänomene, die das Überleben auf diesem Planeten immer schwieriger machen.

Und in der Modewelt tauchten Dinge auf, die schwer zu ertragen sind: unmögliche Kalender, explodierende Werbemacht und Geld im Allgemeinen, Fassadenkreaturen, die ekelhafte Werte eines wundervollen, bezaubernden Lebens verbreiten, die komplett unaufrichtig sind. Die Mode ist in der Tat zum Opium des Volkes geworden und Promis haben einen geradezu messianischen Status erreicht.

Seit dem Beginn eines feministischen Bewusstseins in den frühen 70er Jahren, wie es beispielsweise Delphine Seyrig verkörperte, ist wahrlich viel Wasser unter der Brücke geflossen. Natürlich haben wir Fortschritte gemacht, aber trotz alledem werden immer noch zu viele Frauen wie Objekte behandelt.

Ein Teil der Bemühungen, das "zweite Geschlecht" zu ent-diskriminieren wurde von einer geradezu libidinösen Beziehung mit der Ware, die zur Mode geworden ist, eliminiert.

Hier höre ich auf.

Als die Covid-19 Krise begann und diese Gedanken mich immer noch beschäftigten, habe ich eine Bestandsaufnahme meiner Entscheidungen gemacht.

Unter diesen Umständen und angesichts der Tatsache, dass ich "nichts mehr zu beweisen habe" (wie Catherine Deneuve zu mir sagte), hätte ich mir sehr gut sagen können: "Was nützt es, warum soll ich überhaupt versuchen, als Marke überleben?", denn auf jeden Fall ist die Welt „bound for worse“, wie Samuel Beckett in einer Gedichtsammlung schreibt. Wir sind „cap au pire“ (der französische Titel dieses Werkes, "auf dem Weg zum Schlimmsten") und es ist vielleicht besser, es hierbei zu belassen. Ende der Geschichte.

Ich muss gestehen, dass ich mir diese Frage gestellt habe. Ich habe mir gesagt, dass ich genug aufgebaut hätte, dass meine Kinder dank ihrer eigenen Talente sowieso eine Zukunft haben würden und dass ich meine Zeit zwischen meinem zukünftigen Boot, meinem Haus und meinen "Hobbys" verbringen könnte.

Ja, im letzten März, als ich systematisch alle Optionen durchging, kam mir diese Möglichkeit für einige Sekunden in den Sinn.

Und dann fing ich an, an alle Abenteuer zu denken, an alle Läden, die jedes Mal im Sinne von wahrhaftiger Architektur errichtet wurden, und insbesondere dachte ich an alle Personen, die an dieser "vernünftigen Utopie", die A.P.C. verkörpert, mitwirken.

Ich bedanke mich in diesem Text von ganzem Herzen bei allen Menschen, die mit ihrer Arbeit an diesem Projekts beteiligt waren und sind. Einige von ihnen sind bereits seit 33 Jahren an meiner Seite.

 

Ohne die Anderen ist alles unmöglich.

Ich habe mir gesagt, dass ich doch schließlich kein Zyniker bin, und dass nur die Suche nach Schönheit, zusammen mit anderen Sapiens, das Schwarze Loch am Ende des Tunnels abwenden können.

Also habe ich diese Möglichkeit ausgeschlossen.

Und da habe ich mir gerade gesagt, dass die Zeit, die jetzt beginnt, eine Zeit für Revolution ist, in der alles neu erfunden werden muss. Dies ist eine Denkweise, in der ich mich endlich zuhause fühle. Social Distancing war schon immer meine Lebensart.

Aber mich abseits von vielen Menschen zu befinden, hält mich nicht davon ab, über die Welt im Allgemeinen nachzudenken, sowie über die positive Rolle, die wir spielen können, indem wir unseren Teil für mehr Harmonie, Weitsicht und Verlangen beitragen.

Ich bin sehr stolz darauf, die A.P.C. Show vom 2. März abgesagt zu haben, um die Gesundheit meines Teams und meiner Gäste zu schützen.

Ich denke, die Moral hat hier gesiegt.

Mehr als ironisch ist das musikalische Thema, an dem wir arbeiteten, ein Stück mit dem Titel "World Destruction". Dies war selbstverständlich ein kompletter Zufall.

Nachdem ich die Hypothese abgelehnt habe, mich "dem Hindernis zu verweigern", begann ich darüber nachzudenken, dass eine neue Mission von mir, von uns, erfüllt werden sollte: das Überleben von A.P.C. und seiner ästhetischen und moralischen Werte.

Ich möchte weiterhin Mode machen, indem ich tragbare Kleidung herstelle, in der sich die Menschen wie sie selber fühlen und nicht wie die Marionetten eines Stylisten.

Ich möchte weiterhin Kleidung herstellen, die den Lauf der Zeit übersteht, sowohl durch ihren Stil als auch durch ihre Qualität. Ich möchte ästhetische Spuren in Bildern von Mode hinterlassen, deren Entwicklung und Fertigstellung immer den Fotografen und Stylisten gehört haben und nicht der Marke, die sie beauftragt hat.

Ich möchte weiterhin durch A.P.C. künstlerische Projekte fördern, die unsere Stoffe oder unsere alten Kleidungsstücke recyceln, wie ich es bereits mit den Quilts tue und dem Butler-Programm, das alte Jeans, die von Kunden getragen wurden, wieder in den Verkaufsprozess integriert. Seit meiner Kindheit ist es eine meiner Obsessionen, nichts zu verschwenden.

Ich möchte unsere Beziehung mit unseren Kunden bereichern, indem ich sie mit einem Treueprogramm zum Recycling von A.P.C. Kleidung auffordere, welches Wohltätigkeitsorganisationen zugute kommt.

Vor allem möchte ich ein Gefühl von Gemeinschaft hervorrufen.

Wenn ich Bilanz ziehe, dann sage ich mir, dass die eingeschlagene Bahn die Richtige ist, und dass es keine bessere gibt, um die Prüfung, die uns bevorsteht, zu bestehen.

Und was könnte für diese Zukunft besser geeignet sein als die Mode, die wir machen? Minimalismus wurde quasi als Defizit, als Degeneration gesehen; fortan wird er zur ultimativen Tugend in allen Bereichen des menschlichen Lebens werden.

Ich habe diesen sehr persönlichen Text geschrieben, weil ich Ihnen erzählen möchte, wo A.P.C. herkommt.

Dies ist das erste Mal, dass ich mir erlaube, derart offen und aufrichtig zu sein, auch auf die Gefahr hin, naiv und "opinionated" zu wirken, wie unsere amerikanischen Freunde sagen.

Wohin uns der Weg auch führt (natürlich „bis ins Unendliche und darüber hinaus“), möchte ich, dass wir ihn zusammen beschreiten.

Die Kraft einer kleinen Gruppe, die durch einen freien Geist vereint ist, kann alle Grenzen überschreiten.

Jean Touitou